Vortrag

                           Vortrag am 05.08.2014 von Dr. Fritz Weinstrauch:                              „Es lebe das Chaos! – Wie die Unordnung unser Leben bestimmt.“

Der Referent eröffnete seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass er seine Thesen mit anschaulichen Experimenten untermauern würde. Dann folgte ein Experimentalvortrag, der sicher auch Studenten der Physik  im 2. Semester ans Schwitzen gebracht hätte.

Wer Ratschläge zur Beseitigung seines eigenen Lebenschaos erhofft hatte, sah sich getäuscht.

Das Chaos fasziniert und ängstigt den Menschen durch seine Sehnsucht nach Ordnung. Im Bemühen, Ordnung zu erreichen entsteht jedoch immer auch Unordnung. Ludwig Boltmann führte den Begriff „Entropie“ im Wissensgebiet der Thermodynamik ein. Dieser Begriff wird gerne auch außerhalb der Physik genutzt und missverständlich als eine Art Unordnung bezeichnet.

Menschliches Tun schafft in der Regel mehr Entropie(Unordnung) beim Bemühen,  Ordnung zu schaffen. Beispiel :Krieg.

Einige Satelliten auf geordneten Bahnen verursachen inzwischen über 100.000  Teile Weltraumschrott.

Leben ist geschenkte Ordnung durch Nutzung der Sonnenenergie. Lebewesen nehmen Nahrung mit hoher potentieller Wärmeenergie und niedriger Entropie auf, nutzen die Wärmeenergie und erzeugen Endprodukte höherer Entropie. Ordnung kann man in Teilbereichen schaffen, aber auf Kosten der Unordnung in benachbarten Bereichen.

Es gibt in der Praxis überwiegend irreversible Prozesse, die mit keinem Mittel wieder zum Anfangszustand zurückgeführt werden können. Dies zeigten auch einige Experimente, die diese theoretischen Erkenntnisse ergänzten, z.B.:
–  Eine Kugel rollt nicht von allein den Berg hinauf.
–  Ein aufgelöstes Zuckerstück wird nie mehr zum Zuckerwürfel.
–  Wärme überträgt sich nur von warm nach kalt.

Zum Schluss seiner Ausführungen dankten die Zuhörer dem Referenten für seine Heranführung an das gewiss nicht leichte Thema seines Vortrags.

Exkursion

Exkursion am 15. 07.2014 nach Haltern 

Das erste Ziel unserer heutigen Exkursion war das in einem Waldgelände liegende Wasserwerk Haltern der Gelsenwasser AG.

Bei einem kleinen Imbiss begrüßte und informierte uns Herr Meckelburg mit einem Bildervortrag über Geschichte, Aufgabe und Verfahren des Wasserwerks.

Das Unternehmen wurde 1887 gegründet, um die Industrie und die Menschen der Region mit Wasser zu versorgen. Das Wasserwerk Haltern wurde 1908 erbaut. Für den Standort Haltern waren die besonderen geologischen Bedingungen ausschlag­gebend. Die 200 Meter mächtigen Schichten der Halterner Sande bieten dabei beste Voraussetzungen für eine Trinkwassergewinnung. Heute ist das Wasserwerk Trink­wasserlieferant für rund eine Million Menschen sowie Gewerbe- und Industriebetriebe in mehr als 20 Kommunen des Ruhrgebietes und des Münsterlandes.

Zum Wasserwerk gehören die Talsperren Nord-und Südbecken, Brunnenpumpstationen, Dosierstationen für Aktivkohle sowie Korrosionsschutz (Flockungsmittel und Desinfektion bei Bedarf), Versickerungsbecken, Tieflagerbecken, Druckfilter und das Entnahmebau­werk.

Den Talsperren fließen jährlich ca. 240 Millionen Kubikmeter zu. Rund zwei Drittel fließen über die Wehranlage ab, ein Drittel dient zur Trinkwassergewinnung.

Das Südbecken dient zur Rohwasser-Vorreinigung. Am Einlauf in das Südbecken werden Aktivkohle und Flockungsmittel zugegeben, um unerwünschte Wasserinhaltsstoffe zu binden. Das vorbehandelte Rohwasser wird in 26 Versickerungsbecken geleitet und so dem natürlichen Grundwasser zugeführt. Die Haltener Sande dienen dabei als natürliche Langsamsandfilter, um Verunreinigungen auszufiltern. Nach ca. 6 Wochen Fließdauer  im Untergrund wird das Wasser über Vertikalfilterbrunnen gewonnen. Insgesamt 232 Vertikal­filterbrunnen (40 bis 165 m tief) fördern das durch Niederschlag gebildete Grundwasser und das durch Bodenfiltrat gewonnene Oberflächenwasser über Druck- und Heberleitungen ins Pumpwerk. Ein Drittel der Bodenfiltratmenge wird zur Enteisung und Entmanganung durch Druckfilterkessel mit Quarzkies geleitet. Mikroorganismen wandeln das im Wasser gelöste Eisen und Mangan in filtrierbare Verbindungen um.

In 2 Tiefbehältern (ca. 30 000 Kubikmeter Inhalt) werden beide Wässer zusammen-geführt. Zum Schutz der Rohrleitungen werden in der vorgelagerten Mischkammer geringe Mengen  Natronlauge und Monophosphat als Korrosionsschutz zugegeben. Eine Desin­fektion des Wassers ist in der Regel nicht erforderlich. Bei Bedarf wird Chlorbleich­lauge zudosiert.

Die Jahreskapazität des Wasserwerkes beträgt 129 Mio. Kubikmeter. Die Versickerungs­becken werden in gewissen Abschnitten entschlammt. Der Schlamm enthält keine giftigen Bestandteile und wird der Landwirtschaft zugeführt.

Die hervorragende Wasserqualität wird durch laufende Probeentnahmen sichergestellt.

Herr Schumacher zeigte uns anschließend bei einem Rundgang die gesamte Anlage.

Gegen 12,30 Uhr fuhren wir zum Mittagessen in die Halterner Seeterrassen.

Danach hatten wir bei einem kleinen Rundgang Gelegenheit, die wassersportlichen Aktivitäten im Nordbecken zu betrachten. Baden und Bootsfahrten sind unter bestimmten Voraus­setzungen erlaubt. Die Stauseetiefe beträgt 9 bis 15m.

Gegen 15 Uhr fuhren wir zum  Römermuseum in Haltern. In zwei Gruppen führten uns zwei kompetente Damen durch das Museum.

Roms langer Arm reichte bis in das heutige Haltern. Vor 2000 Jahren lag hier der bedeutendste Militärkomplex der Römer im rechtsrheinischen Germanien. Sein Name war „Aliso“. Von dieser Schaltzentrale aus wurde die Eroberung des gesamten Gebietes geplant und betrieben. Eine der berühmtesten Legionen der Geschichtsschreibung war hier stationiert: Die 19. Legion, die im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht unterging.

Heute befindet sich exakt an dieser Stelle das Römermuseum. Über 1200 Original-Exponate zeugen von der hochentwickelten Kultur und Technik der Römer, von ihrer enormen Bauleistung und Logistik ihrer handwerklichen Kunstfertigkeit und dem römischen Alltag fern der Heimat. Archäologische Funde aus der gesamten Region machen die Zeit um Christi Geburt – den Höhepunkt der römischen Macht in Germanien – erlebbar.

Das Hauptlager hatte eine Ausdehnung von 540 m Richtung West – Ost und ca. 375 m Richtung Nord – Süd. Mit seiner Umwehrung  aus zwei 5,5 m und 6 m breiten und bis zu 2,5 m tiefen Spitzgräben und einer ca. 3 m hohen Holz – Erde – Mauer mit Türmen bildete es eine mächtige, weithin sichtbare Festung.

Neben den vielen Exponaten sahen wir ein Lederzelt für die Legionäre, in dem 8 Legio­näre untergebracht waren. Bis zu 5000 Legionäre lebten im Hauptlager. Um eventuelle Versorgungsansprüche zu vermeiden, durften Legionäre nicht verheiratet sein. Marketenderinnen, die außerhalb des Lagers lebten, waren die einzigen weiblichen Personen, die die Legionäre zu sehen bekamen.

In einem Film über das Leben der Legionäre in dem rekonstruierten Lager wurden wir in diese Zeit versetzt.

Die Versorgung der Truppe erfolgte durch Waren aus der Heimat, die mit Schiffen über die Flüsse angeliefert wurden. Eine Entladestelle konnte am Ufer der Lippe nachgewiesen werden. In einer Töpferei (Fabrica) wurden Amphoren, die zum Transport von Flüssig­keiten (Wein, Öl etc.) dienten, und Kochtöpfe hergestellt.

Um 16.30 Uhr traten wir die Heimreise an und erreichten gegen 18.00 Uhr wieder die heimatlichen Gefilde.

Vortrag

 

            Vortrag am 01.07.2014:  „Sind wir mit Menschenaffen und Bakterien verwandt?“

Der Referent des heutigen Vortrags, Prof. Dr. Helmut Kammermeier, bedankte sich für die Einladung und erklärte, dass er früher  in der Medizin geforscht und sich auch hobbymäßig mit dem Thema befasst habe, da er viele Jahre Haustiere gehalten  habe. Die Fragestellung, ob Menschen mit Affen oder Bakterien verwandt seien, sei früher unvorstellbar gewesen. Der Ursprung der Gedanken und Daten geht auf Darwin um 1850 zurück, der embryonale Nerven von Tieren und Menschen verglichen hat.

Auch der Neusser Arzt Dr. Theodor Schwann  hat auf dem Sektor geforscht und Nerven­­bahnen von Menschen und Tieren verglichen. Anhand von Schaubildern zeigte der Vortragende  embryonale Wesen (Mensch und Tier) in verschiedenen Entwicklungsstadien, die  sehr ähnlich aussahen.

Die Entwicklung der Erde und damit die Evolution von Flora und Fauna setzten vor etwa 4 Milliarden Jahren ein, die ersten Spuren von Vormenschen sind etwa 2,5 Millionen Jahre alt. Zunächst gab es einzellige Lebewesen, die sich später in mehr­zellige Lebewesen wandelten und sich fortentwickelten. Es gab große Katastrophen, in denen ganze Arten ausgestorben sind, z.B. die Dinosaurier. Danach entstanden neue Arten.

Anhand von Diagrammen zeigte der Referent Bakterien, die sich von einfachen in mehrfach aufgegliederte Bakterien veränderten. Es folgten Ausführungen zu den höheren Lebewesen und Veränderungen von Pflanzen und Tieren durch Mutationen und Selektionen.

Vor 17 Jahren wurde entdeckt, dass die menschlichen Gene mit denen von Tieren (besonders Affen) zu einem großen Teil  übereinstimmen. Amerikanische Forscher haben vor 10 Jahren den genetischen Code des Menschen entschlüsselt und mit dem von Tieren verglichen. 97 % der menschlichen Gene sollen mit denen der Affen  identisch sein!! Viele Gene sind aber auch spezifisch für das jeweilige Individuum; dadurch ist z. B. durch eine  DNA-Analyse ein eindeutiger  Vaterschaftstest möglich.

Nachdem in der anschließenden Diskussion auch alle Fragen zufriedenstellend beant-wortet wurden, dankte langanhaltender Beifal für diesen hervorragenden fachlichen  Vortrag.

Exkursion

Exkursion am 20.05.2014: Landesgartenschau Zülpich  

Es war wieder einmal typisches Probuswetter, als der Bus gegen 9.30 Uhr Richtung Zülpich fuhr. Idee, Planung und Durchführung der heutigen Fahrt lag in den bewährten Händen von CF Toni Kränzle.

Dieser berichtete zunächst,  dass die erste Gartenschau 1981 in Ulm durchgeführt wurde. 1984 sei dann das Land Nordrhein-Westfalen diesem Beispiel gefolgt.

 Das Motto der diesjährigen Landesgartenschau in Zülpich lautet: “Zülpicher Jahr-tausendgärten –  Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert“. Die Stadt Zülpich hofft, durch die Modernisierung des bereits vorhandenen Sees aus dem Braunkohlenabbau und die Umgestaltung in eine familienfreundliche Freizeit­anlage den Tourismus beleben zu können.

Ein Mitarbeiter der Gartenschau führte uns durch den Park. Vom Eingang aus gelangt man über eine Längsachse, vorbei an Staudenbeeten (leider war z.Z. Florwechsel) direkt zum Badesee. Auf einer vorgelagerten Plattform befindet sich eine Art Konzertmuschel mit Sitzplätzen für bis zu 1.200 Personen. Rechts und links des Treppenabgangs stehen zwei Gebäude, die von namhaften Architekten erbaut wurden. Das Restaurant „Lago Beach Zülpich“ bietet dort Leckeres aus der Region.

Auf gewundenen Wegen gelangten wir, vorbei an Spielplätzen, einer Relaxwiese und  einem Saunagarten, zu den 14 Themengärten mit klangvollen Namen wie Bambusgarten, Wohlfühlgarten, Sinnes Wandeln etc.

Eine Augenweide erwartete uns in der Themenhalle. Azaleen in bisher unbekannter Größe und Vielfalt verzaubern den Betrachter. Der weitere Gang durch den Park  zeigte u.a. mehrere Kunstwerke, Gestaltungsvorschläge  für Hausgärten und Friedhöfe und schließlich einen wunderschönen Blick in die Weite der Landschaft.

Das anschließende Mittagessen mit kühlen Getränken im Lago Beach verschaffte uns ein wenig Erholung von der plötzlichen Hitze des Tages.

Nach dieser Stärkung gelangten wir mit dem Bus in einen weiteren Teil der Gartenschau im historischen Stadtinnern. Vom Münstertor ging es zum Eingang Landesburg, wo uns Herr Sperling, ein Vorstandsmitglied der Landesgartenschau, empfing. Dieser schil-derte sehr detailliert die Entwicklung der Stadt Zülpich. Hier befindet sich die am besten erhaltene Aquatherme der Römer nördlich der Alpen. Die vollständig erhaltene  mittel-alterliche Stadtbefestigung mit der kurkölnischen Landesburg, den vier Torbogen und dem Wallgraben diente früher den Kölner Fürstbischöfen als Zollburg.

Bei der Errichtung der Landesgartenschau band man den historischen Stadtkern der Stadt in die Gestaltung mit ein. Beim Ausbau der Straßen entdeckte man Gräber der Kelten und Römer. Nach deren Dokumentation schüttete man sie auf und pflasterte den Bereich mit  sichtbaren Hinweisen.

Die Sonne hatte ihre Spuren hinterlassen und so waren alle froh, mit dem Bus in die Altstadt zu „Marys Cafe“ gefahren zu werden. Kaffee und Kuchen weckten die Lebens-geister, so dass danach erholt die Rückfahrt erfolgen konnte.

Ein großes Dankeschön an CF Toni für diese informative, wunderschöne Tagestour.

Vortrag

         Vortrag am 06.05.2014:  Erfahrungen eines Militärdekans a.D.                              in Afghanistan

Bevor der Referent des heutigen Abends, Pfarrer Gregor Ottersbach, in die Pfarre St. Martinus Kaarst kam, war er zwölf Jahre lang als Militärseelsorger tätig. Er hatte Einsätze im Kosovo, in Mazedonien, Bosnien und zuletzt in Afghanistan. Von seinen Erfahrungen in diesem Land berichtet er in seinem Vortrag.

Zunächst erläuterte er, dass ein Militärpfarrer Mitglied der Bundeswehr ist und als solches Teil des soldatischen Alltags. Man ist untergebracht wie die Soldaten und isst zusam­men mit ihnen im großen Verpflegungszelt. Alarmübungen im Einsatzland gehören genauso zum Alltag wie der Kampf gegen Hitze, Staub, Dreck und Kälte. Er trägt die Felduniform mit Hoheitszeichen, das ihn als Pfarrer auszeichnet, aber keine Waffe. Dafür ist ihm ein Sicherheitssoldat zugeordnet.

Afghanistan gilt als Rückzugsland für Terroristen. Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York entschlossen sich die westlichen Länder für eine militärische Präsenz in diesem Land. Der politische Auftrag lautete, die Terroristen zu verfolgen und vor Ort für Ruhe und Sicherheit zu sorgen.

Die Probleme der Soldaten, die 4 bis 6 Monate in einem solchen Land im Einsatz sind, sind vielfältig. Sie sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sind ständig Gefahren ausgesetzt, müssen sich mit fremden Kulturen auseinandersetzen und müssen sich auch mit dem Sterben befassen. Sie sind von ihren Familien getrennt. Familienfeiern, Krank­heiten, Todesfälle, Eheprobleme, finanzielle Probleme müssen in der Ferne bear­beitet werden. Im Falle des eigenen Todes ist ebenfalls durch Testament und Erban-gelegenheiten Vorsorge zu treffen. Für einen Militärpfarrer ist das ein riesiges Aufgaben-feld. Durch regelmäßige Gottesdienste, Gespräche, Mitgefühl, Versorgung von Verwundeten und bei Todesfällen ist der Militärpfarrer immer gefordert. Dies gilt für alle Soldaten, egal ob oder welcher Religion sie angehören.

Die ungewohnten Lebensumstände in Afghanistan demonstrierte  Pfr. Ottersbach am Beispiel der burkatragenden Frauen. Er bat einen weiblichen Gast, eine Burka über­zu­­ziehen und ihr Gefühl beim Tagen der Burka zu schildern. „Sehr warm, einge­schränktes Sehen und Hören und Probleme, sich verständlich zu machen“ war ihr Kommentar. Derartige Einschränkungen gefährden eine Frau besonders im Straßen­verkehr.

Dieses Beispiel  zeigte anschaulich,  wie unterschiedlich das Leben, besonders für die Frauen, hier in Deutsch­land und im Einsatzland ist.

Pfr. Ottersbach kommentierte auch einige Terroranschläge der Taliban, die er miterlebt hatte.

Sein Fazit: In einigen Landesteilen herrscht Krieg, was einige Politiker nicht wahrhaben wollen, in anderen Gegenden ist es ruhig. In diesem Land gibt es viele ethnische Gruppen mit vielen unterschiedlichen Interessen. Das erschwert die Bildung einer Zentral-regierung. Das Land  ist schön, aber es braucht Hilfe und eine gute  Schulbildung für die Kinder.

Er selbst hat diesen Einsatz nicht bereut, im Gegenteil, er möchte ihn nicht missen. Sein Glaube hat ihm bei der Ausführung seines Amtes sehr geholfen.

Mit einem lang anhaltenden Beifall wurde Herrn Pfarrer Ottersbach für diesen Vortrag, der viele nachdenklich stimmte, gedankt.

Exkursion

      Bonn und Rhöndorf :  Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Nach ruhiger Fahrt (bei „Probus-Wetter“) begann um 10:30 Uhr die Führung durch das „Haus der Geschichte“ in Bonn. An einer Vielzahl von Exponaten und erklärenden Texten wird dort die Geschichte Deutschlands (BRD und DDR) seit 1945 bis heute dargestellt. Es beginnt mit dem Zusammenbruch am Ende des Zweiten Weltkrieges. Suchanzeigen nach Millionen Vermissten und notdürftig „gebastelte“ Gegenstände des täglichen Bedarfs veranschaulichen die Notlage bis zur Währungsreform 1948. – Zum Volksaufstand in der (späteren) DDR vom 17.06.1953 ist ein russischer T 34-Panzer zu sehen. – Den beginnenden Aufschwung in der BRD dokumentiert unter anderem ein original VW-Käfer in einer Exportversion für damals DM 5.450,00, außerdem ein Kabinenroller Marke Messerschmidt. – Das „Wirtschaftswunder“ in Westdeutschland ab Mitte der 50er Jahre wird deutlich durch neue Produkte wie Petticoat, Blue Jeans, Coca-Cola, Plattenspieler, Fernseher, Kühlschränke, Waschmaschinen etc. Die Original-Theke einer italienischen Eisdiele aus dem Jahr 1955 verweist auf die ersten italienischen „Gastarbeiter“ sowie den Beginn der „Reise- und Fresswelle“. – Fotos und Dokumente zeigen den Mauerbau ab dem 13.08.1961 sowie die Flucht von über zwei Millionen Bürgern aus der DDR. Im Original ist auch eine Passierschein-Stelle von der deutsch-deutschen Grenze in Berlin zu sehen. – Die Ausstellung endet mit Fotos und Texten zum Fall der Mauer im November 1989 sowie zur deutschen Wiedervereinigung 1990.

Von ca. 12:00 bis 13:30 Uhr folgte ein schmackhaftes Mittagessen im Restaurant im „Haus der Geschichte“.

Anschließend ging es zum Adenauerhaus in Rhöndorf. Die Erben von Konrad Adenauer übereigneten sein Hausgrundstück 1967 der Bundesrepublik Deutschland. Diese errichtete daraufhin mit der Stiftung „Bundeskanzler-Adenauer-Haus“ in Rhöndorf die erste Politikergedenkstätte.

Am Fuße des Grundstücks betritt man zunächst ein modernes Museumsgebäude aus Stahl und Glas. Darin wird mit einer Vielzahl von Dokumenten, Erinnerungsstücken und Fotos aus dem persönlichen Nachlass Adenauers dessen langes politisches Leben von 1876 bis 1967 dargestellt.

Es folgte eine Führung durch den am Hang aufsteigenden Garten (mit vielen Rosen) und das private Wohnhaus, das Adenauer 1935 für sich und seine Familie errichten ließ. In der Eingangsdiele des Hauses sind insbesondere zu sehen ein Stammbaum der Familie Konrad Adenauer in Form eines Rosenstraußes, den seine Kinder ihm zum 90. Geburtstag geschenkt haben, ein Panorama-Stich der Stadt Köln aus dem Jahre 1646 sowie ein altes Telefon, mit dessen „rotem Knopf“ Adenauer direkt mit dem Kanzleramt in Bonn telefonieren konnte. – In dem angrenzenden Klavierzimmer befindet sich unter anderem eine 3000 Jahre alte Vase aus Zypern, ein Geschenk des Erzbischofs Makarios. Das relativ schlichte, große Wohnzimmer mit großer Fensterfront, die einen weiteren Blick ins Rheintal ermöglicht, diente ganz überwiegend nur dem privaten Gebrauch der Familie. Adenauer hat dort nur einmal vor der ersten Regierungsbildung 1949 Parteifreunde von CDU und CSU zur so genannten „Rhön­­dorfer Konferenz“ versammelt. Zu einem privaten Besuch wurden später nur der französische Staatspräsident de Gaulle sowie der amerikanische Außenminister John Foster Dulles eingeladen. – Von außen zu besichtigen ist außerdem ein von Adenauer 1964 erbauter Pavillon, in dem er nach seiner Zeit als Bundeskanzler seine Memoiren geschrieben hat. – Gleich daneben befindet sich die berühmte Bocciabahn. – Von außen konnten wir außerdem in sein Arbeitszimmer im ersten Stock sowie in das Schlafzimmer sehen, in dem er am 19.04.1967 gestorben ist. – Seit 2001 befinden sich im Garten nebeneinander gestehend auch zwei etwas überlebensgroße Statuen von de Gaulle und Adenauer.

Nach dieser eindrucksvollen Besichtigung folgte die Fahrt hinauf auf den Petersberg. Im dortigen Steigenberger Grandhotel gab es in stilvollem Ambiente sehr guten Kaffee und noch bessere Torten zur Auswahl.

Exkursion

Exkursion am 01.04.2014: Romaneum Neuss und Stadtführung in Neuss

Nach individueller  Anreise trafen sich die Teilnehmer um 10.30 Uhr in der Hymgasse vor dem Romaneum in Neuss.  Clubpräsident Achim Clasen begrüßte Frau Stadt­archäologin Sauer und alle Anwesenden.

Frau Sauer erklärte, dass die Römer um 30 v. Chr. von Trier aus nach Neuss gekommen sind und ein Militärlager für ca. 8.000 Personen errichteten.

Auf dem Areal des jetzigen Vorplatzes – dem früheren Busbahnhof – fanden von 2001 bis 2006 archäologische Ausgrabungen statt. Diese brachten Fach­werk­ständer­bauten  (Gebäude mit Sockeln aus Stein = erste Heizkanäle) aus dem 2. und 3. Jh. zu Tage. Ende des 3. Jh. ist eine römische Mansio  (Herberge) errichtet worden, deren Grund­mauern bei den Ausgrabungen freigelegt wurden. Dieses Mansio ist  im Grundriss heute zu sehen, da die Umrisse im Boden mit Kieselsteinen nachgebaut wurden. Küche und Bad sind gut zu erkennen. Ca. 7 m neben dem Mansio ist der dazu­gehörige  Brunnen erhalten (oben vergittert), der ebenfalls frei gelegt wurde. Er ist mit Steinen ohne Mörtel aufgeschichtet; seine Tiefe betrug ca. 5 m. Das Steinmaterial stammt aus der Eifel.

Das Römerlager zog viele Händler an. Die Besiedlung ging im 5. Jh. zurück, da Wikinger vom Norden einfielen und das Lager zerstörten. Erst um 890 zogen sich die Wikinger zurück.

Wir verließen den Vorplatz und  betraten das Erdgeschoss des neu gebauten Romaneums (heute Volkshochschule und Akademie).  Bei den Ausgrabungsarbeiten wurden zahlreiche römische Siedlungsreste frei gelegt. Durch geschickte Planung und Bebauung  sind die Mauerreste erhalten geblieben  und die historischen Keller­räume vom Erdgeschoss aus  einzusehen. Verschiedene Gesteinsarten und gemauerte Rund­bögen (u.a. Tuffstein aus Liedberg) sind gut zu erkennen.

Da der Rhein sich ein neues Bett gesucht hatte (Richtung Hammfeld), verlor Neuss seine Zollrechte an Zons. Im 16. Jh. ist der Platz abgebrannt; danach entstanden hier mehrere Klöster und ein Hospital. In einem Film sahen wir die Bebauung von ver­schiedenen Jahrhunderten.

Im Erdgeschoss sind einige Vitrinen aufgestellt, die Fundstücke aus den Aus­grabungen enthalten; Öl- und Essgefäße, Vasen aus Keramik und eine kleine Göttinnenfigur. Frau Sauer erläuterte mit fachkundigem Wissen die Fundstücke. Sie sagte ferner, dass ca. 60.000 Einzelstücke  (Scherben, Schmuck, Kriegsgerät u. a.) gefunden wurden.

Über eine kleine Brücke gingen wir aus dem Romaneum heraus Richtung Rhein auf den vorgelagerten Verladeturm bzw. Bastionturm, der als mittelalterliche Stadtbefestigung noch erhalten ist.

Nach dieser interessanten Besichtigung rundete ein rustikales Essen im „Vogthaus“ den Vormittag ab.

Am Nachmittag, gegen 14.00 Uhr, begrüßte Präsident Achim Herrn Lüpertz und Frau Nowag von „Neuss Marketing“, die uns auf einem Rundgang „berühmte Neusser Sohne und Töchter“ näher brachten.

Der Rundgang begann in der Münsterstraße vor dem Geburtshaus von Julius Busch (1838 – 1912). Er war ein bekannter Baumeister und Musiker in Neuss; schrieb u. a.  das Quirinuslied, das uns Herr Lüpertz vorsang. Neben der Quirinus-Basilika machten wir einen Stopp am lebensgroßen Denkmal von Josef Kardinal Frings, der in Neuss geboren wurde. Er war von 1945 bis 1965 Vorsitzender der deutschen Bischofs­konferenz. Vom Dach der Basilika grüßte uns Quirinus, seinen Rücken gegen  Düsseldorf gewandt.

Weiter ging es zur Krefelder Straße 18, wo wir am Haus des  Physiologen Prof. Dr. Theodor Schwann (1818 – 1882) halt machten.  Er war ein bekannter Arzt, betrieb Zellforschung, hat das Pepsin entdeckt und den ersten Lungenautomaten erfunden.

Dann ging es zum Freithof, wo wir einen herrlichen Blick  auf die Qurinus-Basilika  genossen.  Gegenüber steht das Zeughaus, das früher als Kirche und Kloster der Franziskaner diente, ab 1803 als Lagerhaus genutzt, im Krieg zerstört wurde  und seit 1950 als Konzerthaus fungiert. Am Fuße des Zeughauses befindet sich eine Tafel der Heimatfreunde Neuss mit dem bekannten Gedicht:    „Dort wo die Erft den Rhein begrüßt . . . 

Wir bummelten weiter durch die Gasse „An der Münze“, die an die Rechte zur Münzprägung  durch Kaiser Friedrich III. erinnert, und kamen zur Oberstraße. Hier erinnern Gedenktafeln an die Neusser Mundartdichter Karl Greiner (auch Lehrer, 1896 – 1967) und Josef Derichs (1873 – 1954) sowie an die Büttenrednerin SophieTremblau (1920 – 2010).  150 m weiter, am Kreishaus, ist eine Gedenktafel für Ludwig Soumagne (1927 – 2003) angebracht, der das Mundartarchiv in Zons geschaffen hat. Ferner erinnert die Tafel von Josef Lange an den 1. Stadtarchiv­direktor und Redakteur der Rhein. Post, der der Stadt Neuss ein bleiverglastes Fenster schenkte. Zu verschiedenen Gedenktafeln las Herr Lüpertz lustige  Gedichte/ Lieder vor.

Von der Oberstraße warfen wir einen Blick auf das Obertor, das einzige noch erhaltene Stadttor von Neuss. Danach durchschritten wir die Rottelsgasse und kamen zum Blutturm. Er ist ein Relikt aus der Hexenverfolgung und erinnert an das Jahr 1635, in dem Hester Jonas gefangen genommen, im Blutturm festgehalten  und später als Hexe enthauptet, verbrannt und die Asche verstreut wurde.

Im Blutturm lebte auch für zwei Jahre der bekannte Neusser Dichter Dr. Karl Schorn (1893 – 1971).

Diese Führung endete gegen 15.40 Uhr.

 

Vortrag

Vortrag am 18.03.2014 „Licht fangen – Highlights der Fotografie“

Referent des heutigen Abends war CF Wolfgang Boretzky. Zu einer Fülle von eindrucks­vollen Fotos vermittelte er in zehn Kapiteln unter „Licht fangen – Highlights der Fotografie“ einen Überblick über die Entwicklung der Fotografie.

1.         Frühe, vom Homo Sapiens geschaffene Bilder

Gezeigt wurden zum Teil ca. 35.000 Jahre alte Höhlenzeichnungen aus Höhlen in Frankreich und Nordspanien, und zwar

–          Chauvel (Frankreich; Tierzeichnungen),

–          Altamira (Spanien; Tierzeichnungen),

–          Lascaux (Frankreich; Tierzeichnungen),

–          La Marche (Frankreich; Menschenköpfe).

2.         Erste Fotografie

Das Wort „Fotografie“ ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet wörtlich „Licht schreiben“. – Das erste Foto entstand 1826, das erste Farbfoto 1898.

3.         Camera Obscura

Dies war ein einfacher Kasten. In der Mitte einer seiner Wände befand sich eine Linse, durch die die Lichtstrahlen einfielen und auf der Innenwand (seitenverkehrt) das Objekt zeigten, auf das der Kasten gerichtet war. Dort mussten diese Linien dann allerdings nachgezeichnet werden. – Diese Art der Abbildung ist bereits aus dem 5. Jahrhundert vor Christus in China bekannt gewesen.

4.         Kollodiumverfahren

Hierbei wurden die Lichtstrahlen durch ein Objektiv auf eine, mit einer licht­empfindlichen Schicht versehene Glasplatte geleitet. Von dieser Glasplatte musste das „Foto“ dann schnellstmöglich in einer Dunkelkammer entwickelt werden.

5.         Lithografie

Das Wort leitet sich vom griechischen „Litho„ = Stein ab. Eine Lithografie ist keine Foto­grafie. Vielmehr werden auf Steinplatten im Flachdruckverfahren Farbdrucke hergestellt. Dieses Verfahren zur Darstellung farbiger Bilder war weit verbreitet, bevor die eigentliche Fotografie und insbesondere die Farbfotografie sich entwickelten.

6.         Erste Kamera

Die erste eigentliche Kamera im heutigen Sinne war die 1900 erschienene „Kodak Nr. 1“. Bahnbrechend an dieser Kamera war, dass der Film sich erstmals in einer Kapsel in der Kamera befand. Mit diesem Prinzip war praktisch der Damm für die nachfolgende weltweite Entwicklung und Verbreitung der Fotografie gebrochen. – Die erste Leica kam 1913 auf den Markt. Berühmt wurde auch die etwa 1930 entwickelte Rolleiflex, die mit einem hochwertigen Objektiv brillante Bilder möglich machte; sie wurde damit die erste „Reporterkamera“. – Die Firma Nikon entwickelte dann einen elektrischen Antrieb für den Filmtransport, womit eine schnelle Folge von Fotos möglich wurde. – Die ersten Digitalkameras gab es etwa ab 1995.

7.         Fotojournalismus

Nach und nach entwickelte sich auch der Beruf des Fotojournalisten. Abgelichtet wurden jetzt „Szenen aus dem Leben“ (Kriegsreporter) sowie „Sensationsfotos“ für Zeitschriften. Die Zeitschrift „Life“ war die erste, die großformatige Fotos zu einem vorrangigen Inhalt ihrer Ausgaben machte.

8.         Digitale Revolution

Ab etwa dem Jahre 2000 verbreiteten sich die Digitalkameras, deren Qualität etwa ab 2004 besser war als die der bisherigen Kamerasysteme. – Schätzungsweise wurden im Jahre 2013 in Deutschland ca. 2000 Fotos pro Sekunde mit Digitalkameras aufgenommen. – Seit Jahren gibt es bereits digitale Kameras, auch mit Video-Funktion, in allen Smartphones etc.

9.         Bildervielfalt

Die Digitalfotografie macht es möglich, dass nicht nur einfach Bilder aufgenommen, sondern auch am Computer bearbeitet bzw. verändert werden können.

10.       Fotografie: Kunst für Alle

Inzwischen gibt es weltberühmte Foto-Künstler, unter anderem:

a)         Andreas Gursky, geboren 1955 in Leipzig, ausgebildet an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seine zum Teil sehr großen, digital bearbeiten „Massen“-Fotos, für die zum Teil sechsstellige Beträge gezahlt werden, nähern sich bereits stark der Malerei an.

b)         Martin Schoeller, geboren 1968 in München; seine Spezialität sind Portraits.

c)         Steve mac Curry, geboren 1950, USA.

Zum Abschluss dankten alle Anwesenden für den informativen Vortrag und die Vielzahl wunder­schöner Fotos mit herzlichem Applaus.