Clubreise 2014

Clubreise vom 07. bis 11.09 2014 in die Altmark

Sonntag, 7. September 

Präsident Horst Blechschmidt begrüßte zu Beginn der Busreise bei gutem Probus-Wetter alle Teilnehmer und wünschte eine erlebnisreiche Reise. –

Nach ruhiger Fahrt gab es gegen 12.30 Uhr ein schmackhaftes Mittagessen in einem Hotelrestaurant in Porta Westfalica.

Gegen 18.00 Uhr erreichten wir unser Ziel, das „Hotel Schloss Tangermünde“. Es liegt auf dem alten Burgberg am westlichen Steilufer der Elbe. Die Burg wird erstmals 1009 urkundlich erwähnt. Im 10. und 11. Jahrhundert sicherte sie als Reichsburg die deutsche Reichsgrenze an der Elbe. Ab dem 13. Jahrhundert entstand die gleichnamige Stadt. Von 1373 bis 1378 hielt Kaiser Karl IV. die Stadt als Nebenresidenz zum Prager Hradschin. 1640 zerstörten schwedische Truppen große Teile der Anlage. Kurfürst Friedrich III., der spätere Preußenkönig Friedrich I. erbaute 1699 bis 1701 das heute als Hotel genutzte Gebäude, das im Jahre 2000 saniert und eröffnet wurde. Zu dem Hotelkomplex gehören außerdem drei „Gartenhäuser“, ein Schwimmbad sowie die als Festsaal genutzte „Alte Kanzlei“, das ehemalige Tanzhaus Kaiser Karl IV.

Nachdem alle ihre Zimmer im Haupthaus und den Gartenhäusern bezogen hatten, klang der Tag mit dem gemeinsamen Abendessen im Hotel aus.

Montag, 8. September

Nach dem Frühstück begann um 10.00 Uhr eine Stadtführung durch Tangermünde.

Die Stadt hat heute ca. 10.000 Einwohner. Hier mündet der Tanger in die Elbe. Frühere Industrie ist mit der deutschen Wiedervereinigung fast vollständig weggebrochen. Die Stadt lebt heute zu ca. 80% vom Tourismus. Im Jahre 2013 gab es ca. 100.000 Gäste-Übernachtungen. Zunehmende Bedeutung für den Tourismus hat auch der Elbe-Radweg von Cuxhaven bis zur deutsch-tschechischen Grenze. – In diesem Jahr nisteten in Tangermünde 36 Störche (!).

Die Stadt liegt ca. 65 m über dem Meeresspiegel und ist so von den Elbe-Hochfluten verschont geblieben. Das Steilufer zur Elbe hin ist durch eine hohe Backsteinmauer befestigt. Hier befindet sich noch ein altes Stadttor, daneben zwei Stadttürme („Putinnen“). – Das im Stil der norddeutschen Backstein-Gotik gebaute Rathaus von 1430 beherbergt das Standesamt, dient ansonsten aber nur noch zu Repräsentationszwecken. – Hier wurde am 13.09.1609 das Urteil gegen eine Frau Grete Minde gefällt, die angeblich die Brandstifterin zu einem verheerenden Brand gewesen sein sollte, durch den fast die gesamte Stadt 1617 niederbrannte. Sie wurde zum Tode durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Nach heutiger Erkenntnis war das Urteil mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fehlurteil. – Als einziges hat ein Haus von 1543 den Stadtbrand überstanden. Die ältesten späteren Häuser stammen aus der Zeit ab 1609.

Größte Kirche der Stadt ist die Sankt Stephans Kirche. An ihrer Stelle stand ursprünglich eine von 1184 bis 1187 erbaute romanische Basilika. Diese brannte 1617 völlig aus und stürzte ein. Anschließend wurde die Kirche neu errichtet. Sehenswert ist eine Sandsteinkanzel von 1619, getragen von einer Moses-Figur. In der Kirche befindet sich eine Orgel des berühmten Orgelbauers Scherer von 1624, ein Geschenk der Hansestadt Hamburg. Die Orgel verfügt über ca. 2.100 Pfeifen, von denen ca. 50% noch die alten Originale sind. Sie wurde 1994 für ca. € 1,0 Mio. restauriert und gehört zu den 10 wertvollsten Orgeln Europas. – Auf dem Hauptaltar steht hoch oben eine Christus-Figur mit nacktem Hinterteil, – eine weltweit einzigartige Rarität. –Beachtung verdient außerdem eine Holz-Statue des heiligen Jacobus von ca. 1430.

Bei herrlichem Sonnenschein fand das Mittagessen auf der Terrasse des Hotels mit weitem Blick Richtung Osten in die Elb-Auen statt.

Ab 14.30 Uhr folgte eine ca. zweistündige Stadtführung durch die Stadt Stendal.

Die Stadt hat heute ca. 42.000 Einwohner. Sie wurde im Jahre 1160 von dem Markgrafen Albert der Bär gegründet. Noch heute sind vier Stadttore aus der Zeit um 1300 erhalten.

Die Führung begann im Dom Sankt Nikolaus. Ursprünglich stand hier eine romanische Basilika, die im Jahre 1660 bei einem Großbrand vollständig zerstört wurde. Der heutige Dom wurde anschließend im spätgotischen Stil errichtet. In ihm befindet sich eine alte Orgel mit 56 Registern und 4.343 Pfeifen, die nach der Wende von einer Potsdamer Orgelbaufirma restauriert worden ist. – Im hohen Chor sind noch sämtliche bemalten Glasfenster, die aus der Zeit ab 1430 stammen, erhalten. Sie waren im 2. Weltkrieg ausgelagert und sind anschließend wieder eingesetzt worden.

Mitten in der Stadt am Rathausplatz steht die „Marienkirche“, die Kirche der Bürgerschaft der Hansestadt Stendal. Bemerkenswert ist hier ein geschnitztes Chorgitter aus dem 15. Jahrhundert. Auf ihm befinden sich geschnitzte Figuren von Christus, Maria und den 12 Aposteln aus dem 13. Jahrhundert. – Das Bronze-Taufbecken aus dem Jahre 1447 wurde in Lübeck hergestellt. – Die Kirche hat eine Scherer-Orgel von 1580; diese Orgel muss noch restauriert werden; etwa 390 Pfeifen sind noch die Originale aus dem Jahre 1580. – Bemerkenswert ist außerdem eine noch voll-funktionsfähige astronomische Uhr, die aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt.

Die Stadtführung schloss mit einer Besichtigung des Rathauses. Der Rathaussaal enthält an den Wänden Wappen zahlreicher Hansestädte, die allerdings erst von 1939 stammen. Stendal war von 1358 bis 1518 Hansestadt, trat dann aus dem Hansebund aus und darf sich erst wieder seit 2010 Hansestadt nennen.

Das Prunkstück des Rathauses ist im kleinen Sitzungssaal eine „Schnitzwand“ aus dem Jahre 1462. Sie ist die älteste Profan-Schnitzwand Deutschlands. Schnitzereien bedeckten ursprünglich alle vier Wände des Raumes; sie zeigten Kaiser Karl IV. und die sieben Kurfürsten. Heute ist nur noch eine Schnitzwand erhalten.

Der Besuch von Stendal endete ab ca. 16.30 Uhr in einem stilvollen Café namens „Kaffee-Kult“ im Souterrain des alten Rathauses. Bei „Hanse-Kaffee“ und „Hanse-Kuchen“ konnten alle sich von den Anstrengungen des Tages erholen.

Zurück in Tangermünde schloss das Programm mit dem gemeinsamen Abendessen im Hotel. Einige Unentwegte trafen sich allerdings noch in einem urigen Stadt-Lokal, um den Tag bei etlichen Schnäpschen und „Kuhschwanz-Bier“ (einer lokalen Rarität) ausklingen zu lassen.

Dienstag, 9. September

Nach einem frühen Frühstück startete die Busfahrt nach Magdeburg bereits um 8.30 Uhr. – Ab 10.00 Uhr begann dort eine einstündige Führung durch den Dom. – Otto I. ließ bereits im Jahre 955 eine große Kirche (Basilika) errichten (sogenannter „erster Dom“). Diese Kirche wurde bei einem Brand im Jahre 1207 vollständig zerstört. Danach wurde der jetzige Dom erbaut, der nach seiner Fertigstellung im Jahre 1363 geweiht wurde. Er ist der erste im gotischen Stil errichtete Dom Deutschlands. Seine Mauern sind derart dick, dass das Gebäude keine seitlichen Außenstützen benötigte. Im Hohen Chor befindet sich das Grab Otto I., etwas entfernt das seiner ersten Frau Editha. – Obwohl Magdeburg im zweiten Weltkrieg zu fast 90% zerstört wurde, hat der Dom den Krieg nahezu unbeschädigt überstanden. Er war allerdings nach der französischen Revolution von den Franzosen verwüstet worden und anschließend über Jahrzehnte fast schon verfallen. Der preußische König Wilhelm III. ließ ihn wieder renovieren. Jedoch wurden die ursprünglichen farbigen Glasfenster sowie die Farben der Wände etc. nicht wieder hergestellt, so dass man heute das schlichte Mauerwerk sieht. – Im Hohen Chor befindet sich noch das Chorgestühl aus dem 13. Jahrhundert. Dort steht auch eine Nachbildung der „Heiligen Lanze“, eines der Insignien der deutschen Kaiser (Original in Wien). – Bemerkenswert ist die Altarplatte von 5,0 x 2,0 Meter aus Granit, die unverändert seit 1363 vorhanden ist. – Der Dom enthielt im Mittelalter bis zu 1.000 Reliquien, die jedoch ab dem 30-jährigen Krieg weitgehend spurlos verschwunden sind. – Als Original ist noch vorhanden die sogenannte Tetzel-Truhe, in der Tetzel Ablass-Gelder verwahrte. – Besonders schön ist die seitliche Paradies-Pforte, der früher allein dem Bischof vorbehaltene Eingang. Hier stehen die etwa im Jahre 1240 entstandenen 10 Magdeburger Jungfrauen, auf der einen Seite die fünf Klugen, auf der anderen Seite die fünf Törichten. Jede hält einen Becher in der Hand; die Becher der fünf Klugen sind noch voll, die Becher der fünf Törichten sind leer. – Magdeburg wurde nach der Reformation sehr schnell evangelisch. Von der damals eingebauten Kanzel wurde 1563 die erste Predigt in deutscher Sprache gehalten (bis dahin Gottesdienst nur in Latein). – Besonders bemerkenswert ist der große Taufstein aus Rosenquarz. Er wurde vermutlich bereits 200 Jahre vor Christus als Springbrunnenbecken hergestellt; Kaiser Otto I. fand ihn in Italien und ließ ihn nach Magdeburg schaffen.

Ab 11.00 Uhr begann eine ca. einstündige Stadtführung.

Magdeburg hat heute ca. 230.000 Einwohner. Größter Arbeitgeber ist die Firma Enercon mit ca. 5.000 Beschäftigten, die Windradanlagen herstellt. An der Universität studieren ca. 14.000 Studenten, an der Hochschule weitere 6.000 Studenten. – Die Stadt wird erstmals in einem Dokument Karls des Großen etwa um das Jahr 800 erwähnt. Sie war eine Hansestadt. Berühmt wurde das sogenannte „Magdeburger Stadtrecht“, das im Mittelalter von zahlreichen Städten Europas übernommen wurde. Im Jahre 1666 fiel die Stadt an Brandenburg. Sie ist heute die Landeshauptstadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Die Führung konzentrierte sich auf das Hundertwasser-Haus. – Nach Plänen des Österreichers Friedensreich Hundertwasser (ursprünglich: Friedrich Stowasser) wurde dieses Haus auf einem zentralen, am Rande des Neumarkts gelegenen großen Grundstück von 2003 bis 2005 errichtet. Bauherr und Eigentümer war die Katholische Kirche, die das Gebäude inzwischen aber weiter verkauft hat. Die Baukosten betrugen ca. € 27,0 Mio. – Das Haus zeichnet sich durch seine ungewöhnliche Architektur aus: Die Außenflächen sind überwiegend rosa marmoriert, 856 Fenster haben die unterschiedlichsten Formen, 180 Säulen lockern die Fassaden auf, schräge Flächen und teilweise auch Balkone sind mit Rasen, Blumen, Büschen und Bäumen begrünt, auf den Türmen befinden sich goldene Kugeln; auffällig ist als Teil des Komplexes ein Turm, der sich wie eine Spirale in die Höhe zu schrauben scheint. Das Gebäude hat 55 Wohnungen unterschiedlicher Größe, eine Tiefgarage, ein Hotel, einen Kindergarten und zwei Restaurants; es wird durch einen großen und einen kleinen Innenhof aufgelockert.

In einem der Restaurants folgte das gemeinsame Mittagessen.

Ab14.30 Uhr begann eine vierstündige Schifffahrt auf dem Motorschiff „Stadt Magdeburg“ über das Wasserstraßenkreuz Magdeburg („Große Acht“). Zunächst ging es die Elbe abwärts entlang dem Magdeburger Industriehafen. Nach Passieren einer Auto-, einer Eisenbahn- und einer Fußgänger-Brücke erreichten wir nach einigen Kilometern die große Wasserstraßenbrücke, in der der Mittellandkanal quer über die Elbe geführt wird. Diese von 1998 bis 2003 für ca. € 120 Mio. gebaute Trogbrücke hat eine Vorland-Brücke von 690 m Länge und die anschließende eigentliche Strombrücke von 228 m Länge. Die Brücke darf zur Vermeidung von Kollisionen jeweils nur in einer Fahrtrichtung von Schiffen befahren werden.

Es folgte die Schleuse „Niegripp“, durch die unser Schiff in den Elbe-Havelkanal gelangte, der ostwärts über Brandenburg bis in die Havel führt.

Aus diesem Kanal ging es in die Doppelschleuse „Hohenwarth“, 1998 bis 2003 für ca. € 130 Mio. erbaut. Diese, 190 m lange Schleuse überwindet einen Höhenunterschied von ca. 19 m hinauf in den Mittelland-Kanal.

Nach kurzer Fahrt auf dem Mittellandkanal und Überquerung der Elbe führte die Fahrt in das Schiffshebewerk „Rothensee“. Dieses wurde bereits 1934 bis 1938 für damals ca. 12,0 Mio. Reichsmark gebaut. In ihm werden die Schiffe in einem Trog von 85 m Länge, 12 m Breite und 2,5 m Tiefe vom Niveau des Mittellandkanals hinabgeschleust auf den sogenannten Rothensee-Verbindungskanal. Dieser führt zum Magdeburger Industriehafen und weiter zur Elbe.

Kurz vor Erreichen der Elbe war noch die 2012 bis 2014 für ca. € 60,0 Mio. erbaute Hafen-Schleuse zu passieren. Bis zu ihrer Errichtung war der Wasserstand des Industriehafens abhängig vom Wasserstand der Elbe; wegen des zeitweilig niedrigen Wasserstandes der Elbe gab es immer wieder Schwierigkeiten. Durch diese Schleuse kann jetzt der Wasserstand im Industriehafen immer auf einer ausreichenden Höhe gehalten werden.

Die gesamte Fahrt war begünstigt durch überwiegend sonniges Wetter. Ruhige Fahrtabschnitte durch die grüne Elblandschaft wechselten ab mit den technisch äußerst interessanten Wasserbauwerken. Neben dem freundlichen Getränkeservice trugen auch die informativen Informationen des Schiffskapitäns dazu bei, dass alle diesen Nachmittag sehr genossen.

Zurück im Hotel schloss der Tag dort ab ca. 20.00 Uhr mit dem gemeinsamen Abendessen.  

Mittwoch, 10. September 

Nach kurzer Busfahrt begann um 10.00 Uhr die Besichtigung des Klosters Jerichow.

Das Kloster wurde im Jahre 1144 auf Veranlassung von Kaiser Konrad gegründet. In mehreren Bauperioden wurde es bis zum Jahre 1240 fertig gestellt. Nach der Reformation wurde es 1552 säkularisiert und in eine landwirtschaftliche Domäne umgewandelt. Im 30-jährigen Krieg wurde es 1631 von den Schweden fast vollständig zerstört. König Wilhelm IV. ließ es 1853 bis 1856 restaurieren. Die Gebäude wurden aber weiter als Domäne, zu Zeiten der DDR von einer LPG genutzt. Im Jahre 2004 wurde die „Stiftung Kloster Jerichow“ gegründet, die seitdem die Klostergebäude und die Basilika weitgehend wieder aufgebaut hat und weiter aufbauen wird.

Der Rundgang begann im Kloster. Es wurde seit seiner Gründung von dem Priesterorden der „Prämonstratenser“ genutzt. Sie trugen weiße Gewänder und hatten sich der Armut, der Seelsorge und der Arbeit verpflichtet. Maximal lebten 36 Priester (und zusätzliche Laienbrüder) im Kloster.

Am Kreuzgang liegen nebeneinander das Sommer- und das Winterrefektorium (Speisesäle der Mönche). Nach der Säkularisierung wurden diese Räume als Holz- und Kohlelager, teils als Schmiede benutzt. – Restauriert ist auch der aus etwa 1200 stammende Kapitelsaal, ein zweischiffiger Raum mit einem Doppelportal, in dessen Mitte sich eine achteckige Säule mit „Palmetten-Kapitel“ befindet. Dies war der Hauptraum für Gebete und Beratungen.

Die unmittelbar an das Kloster angrenzende dreischiffige Basilika ist im romanischen Stil erbaut. Ihre beiden Türme sind ca. 60 m hoch. Zusammen mit dem Kloster ist sie der älteste sakrale Backsteinbau Norddeutschlands und heute Teil der „Straße der Romanik“. Nachdem die Kirche im 30-jährigen Krieg ihre Innenausstattung fast vollständig verloren hatte, ist sie erst im 19. Jahrhundert restauriert worden. 1960 wurden eine neue Flachdecke und ein neuer Fußboden eingebaut. – Aus alter Zeit stammt noch eine über 800 Jahre alte steinerne Osterleuchte. Im Chor sind in den Jochbögen noch einige Malereien aus dem 13. Jahrhundert zu erkennen, in der Absis „Marias Krönung“ aus dem 15. Jahrhundert. – In der von mehreren Säulen getragenen Krypta befindet sich eine aus Italien stammende Marmor-Säule, vermutlich aus dem ersten ottonischen Dom in Magdeburg hierher gebracht.

Ab 12.00 Uhr gab es für alle im Winterrefektorium als „Klosteressen“ eine schmackhafte Gemüsesuppe, dazu trocken Brot, Wasser und Äpfel, zum Nachtisch einen “Kloster-Klaus“, ein im Kloster hergestellter Kräuterlikör.

Anschließend bestand noch die Möglichkeit, das Klostermuseum, ein Backsteinmuseum sowie den Klostergarten zu besichtigen.

Gegen 13.00 Uhr ging es per Bus weiter nach Havelberg. Inzwischen war die Sonne verstärkt zum Vorschein gekommen. Verteilt auf zwei hübsche Cafés zu Füßen des Doms konnten wir ein gemütliches „Kaffeestündchen“ einlegen.

Ab 15.00 Uhr begann die Führung durch den Dom.

Der Ort Havelberg, heute ca. 6.500 Einwohner, besteht aus zwei Teilen, der tiefergelegenen eigentlichen Stadt und der auf einem Berg gelegenen „Domfreiheit“, wo sich auch der Dom befindet. Beide Teile sind erst 1876 zur heutigen Stadt Havelberg zusammengeschlossen worden. Die Stadt wurde bereits 946 von Otto I. gegründet. Sie wurde sogleich Bischofssitz. Der Dom, eine romanische Basilika, die später gotisch überbaut wurde, wurde von 1150 bis 1170 errichtet.

Erhalten sind heute noch wunderschöne Glasfenster von 1320, die als „Bilderbibel“ Bilder aus dem Leben Christi zeigen. Einige Bilderfelder wurden 1895 neugotisch restauriert. Alle Glasmalereien auf der einen Längsseite des Doms haben den zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden, weil sie durch Sandsäcke geschützt worden waren; auf der anderen Seite des Gebäudes sind die Fenster durch eine Luftmine zerstört worden.

Der von 1397 bis 1410 von Steinmetzen aus Böhmen, Lübeck und anderen Teilen Deutschlands gebaute Lettner zeigt in zwanzig Tafeln die Passionsgeschichte. – Das geschnitzte Chorgestühl im Hohen Chor stammt aus der Zeit von 1280 bis 1320. – Der Barockaltar (um 1700) trägt oben ein eindruckvolles „Gottesauge“.

Im Dom befindet sich eine Orgel von 1777/97, erbaut von dem Orgelbauer Scholze im Stile von Schnitger und Silbermann. Sie hat 34 Register und 2 Manuale; etwa 40% der Originalsubstanz sind heute noch erhalten.

Als Unterbrechung der Führung gab der Dom-Organist für uns auf dieser Orgel ein etwa halbstündiges, wunderbares Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach.

Gegen 18.00 Uhr trafen wir wieder im Hotel in Tangermünde ein.

Ab 19.00 Uhr begann das festliche Abendessen zum Abschluss der Reise, und zwar in der „Alten Kanzlei“.

Während des Essens (diesmal in Gestalt eines Büfetts) hielt Herr Paul von der Schulenburg, der als Gast (zusammen mit einem Enkel) teilnahm, eine interessante Rede. Er stellte sich als Teil der weitverzweigten Familie von der Schulenburg vor, die seit nunmehr 19 Generationen eine der bekannten Adelsfamilien der Altmark sei. Nachdem er den größten Teil seines Berufslebens als Militär und später Personalberater in der alten Bundesrepublik verbracht hatte, hat er nach der Wende Teile des alten Familienbesitzes in der Altmark zurückerworben und betreibt inzwischen auf einer Fläche von ca. 500 h ökologische Landwirtschaft. Seit fünf Jahren lebt er mit seiner Frau auch wieder in der Altmark. Er betonte, dass es anfangs nicht immer leicht gewesen sei, wieder „Fuß zu fassen“, dass er aber zuversichtlich sei, dass die Familie auch zukünftig in weiteren Generationen die Tradition der von der Schulenburgs in der Altmark fortführen werde.

Gegen 22.00 Uhr erfreuten die PROBUS-Singers alle Anwesenden durch Vortrag des Liedes „Ein schöner Tag…“.

 Damit endete der Abend.

Donnerstag, 11. September

Nach dem Frühstück ging es pünktlich um 9.00 Uhr auf die Rückfahrt. Ein schmackhaftes Mittagessen gab es ab 12.30 Uhr im Restaurant „Schlossküche“ im Schloss Bückeburg. – Auf der Weiterfahrt folgte an der Autobahnraststätte Velten ein kurzer Stopp.

Eine großartige, eindrucksvolle Clubreise, die allen sicher nachhaltig in Erinnerung bleiben wird, endete planmäßig am frühen Abend in Kaarst.

Treffen mit dem Probus Club Assen in Münster

Unsere Probus Freunde aus den Niederlanden konnten wir in diesem Jahr in der Stadtbücherei Münster zu unserem jährlichen Treffen empfangen. Von der eigenwilligen Formsprache in der Architektur des Gebäudes waren sie sehr angetan.
Dem schloss sich ein Besuch des im Jahre 1589 errichteten „Haus der Niederlande im Krameramtshaus“ an. Der Geschäftsführer, Herr Dr. Loek Geeraedts, begrüßte die Gäste im Original erhaltenen Kaminzimmer. In diesem Raum wurde der spanisch-niederländische Vertrag unterzeichnet, der den 80 jährigen Krieg zwischen beiden Ländern beendete und den Niederlanden die Unabhängigkeit von Spanien garantierte.
Nach einem kurzen Streifzug durch die wechselvolle Geschichte des Hauses referierte Dr. Geeraedts über die überragende Bedeutung der Institution für die deutsch niederländischen Beziehungen. Sie ist diesbezüglich die einzige wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland und ist der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster angeschlossen. Schwerpunkte sind fächerübergreifend Lehre, Forschung und Dienstleistungen mit einer Bibliothek im Haus der Niederlande von mehr als 100.000 Büchern.
Auf der nahe gelegenen Burg Hülshoff, einzige geschlossene Renaissanceanlage in Deutschland, stand die Dichterin Annette von Droste Hülshoff im Mittelpunkt. Sie wurde 1797 hier geboren. Bekannte Werke von ihr sind u.a. die Novelle „Die Judenbuche“ und die Ballade „Der Knabe im Moor“.

Exkursion

Exkursion am 19.08.2014 zur „Emschergenossenschaft“

Es war leider kein typisches Probuswetter, als der Bus gegen 9.00 Uhr Richtung „Emscher­gebiet“ fuhr. Idee, Planung und Durchführung der heutigen Fahrt lag in den bewährten Händen von CF Jens Rothe.

Gegen 10.20 Uhr erreichten wir als erstes Etappenziel in Dortmund-Bolmka eine Brücke über die Emscher. Dort erwartete uns Frau Semrau, Ökologin bei der Emschergenos­sen­schaft, die uns Erläuterungen zu einem dort bereits renaturierten Teilstück der Emscher gab.

Von dort ging es zur Kläranlage Bottrop. Hier folgte zunächst ein Vortrag von Herrn Wolf, anschließend auf Einladung der Emschergenossenschaft ein schmackhaftes Mittag-essen, danach von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr ein weiterer Vortrag von Herrn Dr. Coburg. Beide Vorträge wurden unterstützt durch zahlreiche Schaubilder und Fotos.

Zusammengefasst erfuhren wir von Frau Semrau, Herrn Wolf und Herrn Dr. Coburg folgendes:

Geschichte:                                                                                                                                      Mit der ab ca. 1850 einsetzenden Industrialisierung des Ruhrgebietes kam es innerhalb von 75 Jahren zu einer Verzehnfachung der Bevölkerung. Sämtliche Industrie- und Haushalts­abwasser wurden in die Emscher sowie deren zahlreiche Zuflüsse abgeleitet. Durch den Bergbau kam es verstärkt zu Bodensenkungen. Dies führte dazu, dass die Wasser (Abwasser) der Emscher sich in den Senkungen (Mulden) stauten und dort mehr oder weniger große Überflutungsgebiete bildeten. Mit zunehmender Industrie und zunehmender Bevölkerungs­zahl verschlechterten sich dadurch die hygienischen Bedingungen dramatisch. Es kam immer wieder zu Seuchen. Im Jahre 1899 wurde deswegen die „Emscher­genossenschaft“ gebildet mit der Aufgabe, die gesamte Region des Ruhrgebiets trocken zu legen. Wegen der immer wieder auftretenden Bergsenkungen konnte man damals keine unterirdischen Abwasserrohre verlegen, weil diese bei den Senkungen beschädigt bzw. zerstört worden wären. Man entschloss sich deswegen, die Emscher (und deren Zuflüsse) als „offene“ Abwasser-Kanäle auszubauen. Dies geschah und blieb so bis nach dem zweiten Weltkrieg. Durch die Emscher flossen also bis dahin das Flusswasser, einlaufendes Ober­flächenwasser sowie sämtliche Industrie- und Haushalts-Abwässer der gesamten Region. Dadurch kam es zwar nicht mehr zu Überschwemmungen; zunehmend wurde aber der Gestank der „Kloake“ von den in der Nähe lebenden Menschen als unerträglich empfunden.

 Jüngere Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft:                                                     Nachdem gegen Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts der Bergbau im Ruhr­gebiet mehr und mehr zum Erliegen gekommen war, war in diesem Gebiet nicht mehr mit neuen Bergsenkungen zu rechnen. Dadurch wurde es möglich, Abwasserleitungen auf Dauer unterirdisch zu verlegen. Nach entsprechenden Vorplanungen begann deswegen 1991 unter Federführung der Emschergenossenschaft die Realisierung eines langfristigen Umbau­projektes, und zwar: Herstellung eines unterirdischen Abwasser-Systems, durch das sämtliche Abwasser der Region abgeleitet werden, sowie im Anschluss daran die weit­gehende „Renaturierung“ der dann „sauberen“ Emscher.

 Die Bauarbeiten für das Abwassersystem begannen 1991 und sollen 2017 abgeschlossen sein. Es müssen etwa 400 km Kanalrohre mit einem Durchmesser zwischen 1,6 bis 3,2 m verlegt werden; ca. 230 km sind bereits fertig. Die Kanalrohre bestehen aus besonders widerstandsfähigem Hochleistungsbeton und sollen mindestens 120 Jahre halten. Der Haupt-Abwasserkanal zwischen Dortmund und der Emschermündung bei Dinslaken hat eine Länge von etwa 51 km und wird die Abwässer von ca. 2,4 Mio. Einwohnern sowie von Industrie und Gewerbe aufnehmen. Die Kanalröhre wird in einer Tiefe zwischen 8 bis 40 m im unterirdischen Rohrvortriebsverfahren hergestellt (im Prinzip so wie die U-Bahn in Düsseldorf). Alle 1 bis 2 km müssen senkrechte Revisionsschächte gebaut werden. Die spätere Wartung und Revision des Abwasserkanals wird durch einen eigens entwickelten Wartungsroboter erfolgen. – Wegen des erforderlichen Gefälles des Abwasserkanals von 1,5 ‰ müssen auf der gesamten Strecke mehrere Pumpwerke zwischengebaut werden, die das Abwasser wieder aufwärts befördern. Ohne sie hätte der Kanal bei Dinslaken eine Tiefe von 75 m erreicht. – Die (teilweise lokal schon vorgeklärten) Abwässer werden in vier großen Kläranlagen in Dortmund, Bottrop, Dinslaken und Duisburg geklärt. Danach fließt das Wasser in den Rhein.

 Zurzeit sind schon ca. 20 km am Oberlauf der Emscher „renaturiert“. Soweit möglich, wird der natürliche Lauf eines Flusses mit entsprechendem Ufer wieder hergestellt. Wegen der engen Bebauung (Industrie, Wohngebäude) ist dies allerdings nicht am gesamten Lauf der Emscher möglich. Das Gewässer und seine Randzonen werden bis 10 Jahre nach dem Umbau beobachtet. Schon jetzt haben sich im renaturierten Oberlauf der Emscher ca. 800 Arten (Pflanzen und Tiere) wieder angesiedelt. Die gesamte „Renaturierung“ der Emscher und ihrer Zuflüsse soll bis zum Jahre 2020 abgeschlossen sein. Schon jetzt ist der neu entstandene „Phoenix-See“ bei Dortmund ein „High-Light“ der Renaturierung.

 Die Emschergenossenschaft, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, ist mit einem Jahresumsatz von ca. € 380 Mio. der größte Abwasserentsorger Deutschlands für ca. 2,4 Menschen. Das gesamte Kanal- und Renaturierungsprojekt soll ca. € 4,5 Milliarden kosten. Davon gehen ca. 80% in den Kanalbau und ca. 20% in die „Renaturierung“ der Emscher und ihrer Zuflüsse. Zurzeit wird an 20 Kanalbaustellen und 11 Maßnahmen der ökologischen Flussverbesserung gearbeitet. Die Arbeiten liegen bislang zeit- und kostenmäßig im Plan.

 Ab 15.30 Uhr führte Herr Dr. Günther, Betriebsleiter der Kläranlage Bottrop, uns (nunmehr bei „Probus-Wetter“) durch den größeren Teil dieser Anlage. Beschäftigt werden etwa 200 Mitarbeiter. In der Anlage werden die Abwasser des nördlichen Ruhrgebiets (ca. 1,3 Mio. Menschen) geklärt. Bei Trockenwetter fließen ca. 4,2 m³/sec in die Anlage, bei Regen entsprechend mehr.

 Die Abwässer werden zunächst in drei Schritten mechanisch gereinigt:

a)         mit großen Rechen werden Grobstoffe abgefangen (die dann verbrannt werden);

b)         Sandfang: In großen Becken setzt sich der Sand ab, der vom Boden dieser Becken abgesaugt, gesammelt und beim Straßenbau wieder verwendet wird;

c)         Vorklärung: In anschließenden großen Becken setzen sich organische Stoffe am Boden ab, die dann abgesaugt und in vier großen Faulbehältern weiter behandelt werden.

 Aus Zeitgründen konnten diese Faulbehälter sowie die Verbrennungsanlage nicht mehr besichtigt werden.

Vortrag

                           Vortrag am 05.08.2014 von Dr. Fritz Weinstrauch:                              „Es lebe das Chaos! – Wie die Unordnung unser Leben bestimmt.“

Der Referent eröffnete seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass er seine Thesen mit anschaulichen Experimenten untermauern würde. Dann folgte ein Experimentalvortrag, der sicher auch Studenten der Physik  im 2. Semester ans Schwitzen gebracht hätte.

Wer Ratschläge zur Beseitigung seines eigenen Lebenschaos erhofft hatte, sah sich getäuscht.

Das Chaos fasziniert und ängstigt den Menschen durch seine Sehnsucht nach Ordnung. Im Bemühen, Ordnung zu erreichen entsteht jedoch immer auch Unordnung. Ludwig Boltmann führte den Begriff „Entropie“ im Wissensgebiet der Thermodynamik ein. Dieser Begriff wird gerne auch außerhalb der Physik genutzt und missverständlich als eine Art Unordnung bezeichnet.

Menschliches Tun schafft in der Regel mehr Entropie(Unordnung) beim Bemühen,  Ordnung zu schaffen. Beispiel :Krieg.

Einige Satelliten auf geordneten Bahnen verursachen inzwischen über 100.000  Teile Weltraumschrott.

Leben ist geschenkte Ordnung durch Nutzung der Sonnenenergie. Lebewesen nehmen Nahrung mit hoher potentieller Wärmeenergie und niedriger Entropie auf, nutzen die Wärmeenergie und erzeugen Endprodukte höherer Entropie. Ordnung kann man in Teilbereichen schaffen, aber auf Kosten der Unordnung in benachbarten Bereichen.

Es gibt in der Praxis überwiegend irreversible Prozesse, die mit keinem Mittel wieder zum Anfangszustand zurückgeführt werden können. Dies zeigten auch einige Experimente, die diese theoretischen Erkenntnisse ergänzten, z.B.:
–  Eine Kugel rollt nicht von allein den Berg hinauf.
–  Ein aufgelöstes Zuckerstück wird nie mehr zum Zuckerwürfel.
–  Wärme überträgt sich nur von warm nach kalt.

Zum Schluss seiner Ausführungen dankten die Zuhörer dem Referenten für seine Heranführung an das gewiss nicht leichte Thema seines Vortrags.

Exkursion

Exkursion am 15. 07.2014 nach Haltern 

Das erste Ziel unserer heutigen Exkursion war das in einem Waldgelände liegende Wasserwerk Haltern der Gelsenwasser AG.

Bei einem kleinen Imbiss begrüßte und informierte uns Herr Meckelburg mit einem Bildervortrag über Geschichte, Aufgabe und Verfahren des Wasserwerks.

Das Unternehmen wurde 1887 gegründet, um die Industrie und die Menschen der Region mit Wasser zu versorgen. Das Wasserwerk Haltern wurde 1908 erbaut. Für den Standort Haltern waren die besonderen geologischen Bedingungen ausschlag­gebend. Die 200 Meter mächtigen Schichten der Halterner Sande bieten dabei beste Voraussetzungen für eine Trinkwassergewinnung. Heute ist das Wasserwerk Trink­wasserlieferant für rund eine Million Menschen sowie Gewerbe- und Industriebetriebe in mehr als 20 Kommunen des Ruhrgebietes und des Münsterlandes.

Zum Wasserwerk gehören die Talsperren Nord-und Südbecken, Brunnenpumpstationen, Dosierstationen für Aktivkohle sowie Korrosionsschutz (Flockungsmittel und Desinfektion bei Bedarf), Versickerungsbecken, Tieflagerbecken, Druckfilter und das Entnahmebau­werk.

Den Talsperren fließen jährlich ca. 240 Millionen Kubikmeter zu. Rund zwei Drittel fließen über die Wehranlage ab, ein Drittel dient zur Trinkwassergewinnung.

Das Südbecken dient zur Rohwasser-Vorreinigung. Am Einlauf in das Südbecken werden Aktivkohle und Flockungsmittel zugegeben, um unerwünschte Wasserinhaltsstoffe zu binden. Das vorbehandelte Rohwasser wird in 26 Versickerungsbecken geleitet und so dem natürlichen Grundwasser zugeführt. Die Haltener Sande dienen dabei als natürliche Langsamsandfilter, um Verunreinigungen auszufiltern. Nach ca. 6 Wochen Fließdauer  im Untergrund wird das Wasser über Vertikalfilterbrunnen gewonnen. Insgesamt 232 Vertikal­filterbrunnen (40 bis 165 m tief) fördern das durch Niederschlag gebildete Grundwasser und das durch Bodenfiltrat gewonnene Oberflächenwasser über Druck- und Heberleitungen ins Pumpwerk. Ein Drittel der Bodenfiltratmenge wird zur Enteisung und Entmanganung durch Druckfilterkessel mit Quarzkies geleitet. Mikroorganismen wandeln das im Wasser gelöste Eisen und Mangan in filtrierbare Verbindungen um.

In 2 Tiefbehältern (ca. 30 000 Kubikmeter Inhalt) werden beide Wässer zusammen-geführt. Zum Schutz der Rohrleitungen werden in der vorgelagerten Mischkammer geringe Mengen  Natronlauge und Monophosphat als Korrosionsschutz zugegeben. Eine Desin­fektion des Wassers ist in der Regel nicht erforderlich. Bei Bedarf wird Chlorbleich­lauge zudosiert.

Die Jahreskapazität des Wasserwerkes beträgt 129 Mio. Kubikmeter. Die Versickerungs­becken werden in gewissen Abschnitten entschlammt. Der Schlamm enthält keine giftigen Bestandteile und wird der Landwirtschaft zugeführt.

Die hervorragende Wasserqualität wird durch laufende Probeentnahmen sichergestellt.

Herr Schumacher zeigte uns anschließend bei einem Rundgang die gesamte Anlage.

Gegen 12,30 Uhr fuhren wir zum Mittagessen in die Halterner Seeterrassen.

Danach hatten wir bei einem kleinen Rundgang Gelegenheit, die wassersportlichen Aktivitäten im Nordbecken zu betrachten. Baden und Bootsfahrten sind unter bestimmten Voraus­setzungen erlaubt. Die Stauseetiefe beträgt 9 bis 15m.

Gegen 15 Uhr fuhren wir zum  Römermuseum in Haltern. In zwei Gruppen führten uns zwei kompetente Damen durch das Museum.

Roms langer Arm reichte bis in das heutige Haltern. Vor 2000 Jahren lag hier der bedeutendste Militärkomplex der Römer im rechtsrheinischen Germanien. Sein Name war „Aliso“. Von dieser Schaltzentrale aus wurde die Eroberung des gesamten Gebietes geplant und betrieben. Eine der berühmtesten Legionen der Geschichtsschreibung war hier stationiert: Die 19. Legion, die im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht unterging.

Heute befindet sich exakt an dieser Stelle das Römermuseum. Über 1200 Original-Exponate zeugen von der hochentwickelten Kultur und Technik der Römer, von ihrer enormen Bauleistung und Logistik ihrer handwerklichen Kunstfertigkeit und dem römischen Alltag fern der Heimat. Archäologische Funde aus der gesamten Region machen die Zeit um Christi Geburt – den Höhepunkt der römischen Macht in Germanien – erlebbar.

Das Hauptlager hatte eine Ausdehnung von 540 m Richtung West – Ost und ca. 375 m Richtung Nord – Süd. Mit seiner Umwehrung  aus zwei 5,5 m und 6 m breiten und bis zu 2,5 m tiefen Spitzgräben und einer ca. 3 m hohen Holz – Erde – Mauer mit Türmen bildete es eine mächtige, weithin sichtbare Festung.

Neben den vielen Exponaten sahen wir ein Lederzelt für die Legionäre, in dem 8 Legio­näre untergebracht waren. Bis zu 5000 Legionäre lebten im Hauptlager. Um eventuelle Versorgungsansprüche zu vermeiden, durften Legionäre nicht verheiratet sein. Marketenderinnen, die außerhalb des Lagers lebten, waren die einzigen weiblichen Personen, die die Legionäre zu sehen bekamen.

In einem Film über das Leben der Legionäre in dem rekonstruierten Lager wurden wir in diese Zeit versetzt.

Die Versorgung der Truppe erfolgte durch Waren aus der Heimat, die mit Schiffen über die Flüsse angeliefert wurden. Eine Entladestelle konnte am Ufer der Lippe nachgewiesen werden. In einer Töpferei (Fabrica) wurden Amphoren, die zum Transport von Flüssig­keiten (Wein, Öl etc.) dienten, und Kochtöpfe hergestellt.

Um 16.30 Uhr traten wir die Heimreise an und erreichten gegen 18.00 Uhr wieder die heimatlichen Gefilde.

Vortrag

 

            Vortrag am 01.07.2014:  „Sind wir mit Menschenaffen und Bakterien verwandt?“

Der Referent des heutigen Vortrags, Prof. Dr. Helmut Kammermeier, bedankte sich für die Einladung und erklärte, dass er früher  in der Medizin geforscht und sich auch hobbymäßig mit dem Thema befasst habe, da er viele Jahre Haustiere gehalten  habe. Die Fragestellung, ob Menschen mit Affen oder Bakterien verwandt seien, sei früher unvorstellbar gewesen. Der Ursprung der Gedanken und Daten geht auf Darwin um 1850 zurück, der embryonale Nerven von Tieren und Menschen verglichen hat.

Auch der Neusser Arzt Dr. Theodor Schwann  hat auf dem Sektor geforscht und Nerven­­bahnen von Menschen und Tieren verglichen. Anhand von Schaubildern zeigte der Vortragende  embryonale Wesen (Mensch und Tier) in verschiedenen Entwicklungsstadien, die  sehr ähnlich aussahen.

Die Entwicklung der Erde und damit die Evolution von Flora und Fauna setzten vor etwa 4 Milliarden Jahren ein, die ersten Spuren von Vormenschen sind etwa 2,5 Millionen Jahre alt. Zunächst gab es einzellige Lebewesen, die sich später in mehr­zellige Lebewesen wandelten und sich fortentwickelten. Es gab große Katastrophen, in denen ganze Arten ausgestorben sind, z.B. die Dinosaurier. Danach entstanden neue Arten.

Anhand von Diagrammen zeigte der Referent Bakterien, die sich von einfachen in mehrfach aufgegliederte Bakterien veränderten. Es folgten Ausführungen zu den höheren Lebewesen und Veränderungen von Pflanzen und Tieren durch Mutationen und Selektionen.

Vor 17 Jahren wurde entdeckt, dass die menschlichen Gene mit denen von Tieren (besonders Affen) zu einem großen Teil  übereinstimmen. Amerikanische Forscher haben vor 10 Jahren den genetischen Code des Menschen entschlüsselt und mit dem von Tieren verglichen. 97 % der menschlichen Gene sollen mit denen der Affen  identisch sein!! Viele Gene sind aber auch spezifisch für das jeweilige Individuum; dadurch ist z. B. durch eine  DNA-Analyse ein eindeutiger  Vaterschaftstest möglich.

Nachdem in der anschließenden Diskussion auch alle Fragen zufriedenstellend beant-wortet wurden, dankte langanhaltender Beifal für diesen hervorragenden fachlichen  Vortrag.

Exkursion

Exkursion am 20.05.2014: Landesgartenschau Zülpich  

Es war wieder einmal typisches Probuswetter, als der Bus gegen 9.30 Uhr Richtung Zülpich fuhr. Idee, Planung und Durchführung der heutigen Fahrt lag in den bewährten Händen von CF Toni Kränzle.

Dieser berichtete zunächst,  dass die erste Gartenschau 1981 in Ulm durchgeführt wurde. 1984 sei dann das Land Nordrhein-Westfalen diesem Beispiel gefolgt.

 Das Motto der diesjährigen Landesgartenschau in Zülpich lautet: “Zülpicher Jahr-tausendgärten –  Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert“. Die Stadt Zülpich hofft, durch die Modernisierung des bereits vorhandenen Sees aus dem Braunkohlenabbau und die Umgestaltung in eine familienfreundliche Freizeit­anlage den Tourismus beleben zu können.

Ein Mitarbeiter der Gartenschau führte uns durch den Park. Vom Eingang aus gelangt man über eine Längsachse, vorbei an Staudenbeeten (leider war z.Z. Florwechsel) direkt zum Badesee. Auf einer vorgelagerten Plattform befindet sich eine Art Konzertmuschel mit Sitzplätzen für bis zu 1.200 Personen. Rechts und links des Treppenabgangs stehen zwei Gebäude, die von namhaften Architekten erbaut wurden. Das Restaurant „Lago Beach Zülpich“ bietet dort Leckeres aus der Region.

Auf gewundenen Wegen gelangten wir, vorbei an Spielplätzen, einer Relaxwiese und  einem Saunagarten, zu den 14 Themengärten mit klangvollen Namen wie Bambusgarten, Wohlfühlgarten, Sinnes Wandeln etc.

Eine Augenweide erwartete uns in der Themenhalle. Azaleen in bisher unbekannter Größe und Vielfalt verzaubern den Betrachter. Der weitere Gang durch den Park  zeigte u.a. mehrere Kunstwerke, Gestaltungsvorschläge  für Hausgärten und Friedhöfe und schließlich einen wunderschönen Blick in die Weite der Landschaft.

Das anschließende Mittagessen mit kühlen Getränken im Lago Beach verschaffte uns ein wenig Erholung von der plötzlichen Hitze des Tages.

Nach dieser Stärkung gelangten wir mit dem Bus in einen weiteren Teil der Gartenschau im historischen Stadtinnern. Vom Münstertor ging es zum Eingang Landesburg, wo uns Herr Sperling, ein Vorstandsmitglied der Landesgartenschau, empfing. Dieser schil-derte sehr detailliert die Entwicklung der Stadt Zülpich. Hier befindet sich die am besten erhaltene Aquatherme der Römer nördlich der Alpen. Die vollständig erhaltene  mittel-alterliche Stadtbefestigung mit der kurkölnischen Landesburg, den vier Torbogen und dem Wallgraben diente früher den Kölner Fürstbischöfen als Zollburg.

Bei der Errichtung der Landesgartenschau band man den historischen Stadtkern der Stadt in die Gestaltung mit ein. Beim Ausbau der Straßen entdeckte man Gräber der Kelten und Römer. Nach deren Dokumentation schüttete man sie auf und pflasterte den Bereich mit  sichtbaren Hinweisen.

Die Sonne hatte ihre Spuren hinterlassen und so waren alle froh, mit dem Bus in die Altstadt zu „Marys Cafe“ gefahren zu werden. Kaffee und Kuchen weckten die Lebens-geister, so dass danach erholt die Rückfahrt erfolgen konnte.

Ein großes Dankeschön an CF Toni für diese informative, wunderschöne Tagestour.

Vortrag

         Vortrag am 06.05.2014:  Erfahrungen eines Militärdekans a.D.                              in Afghanistan

Bevor der Referent des heutigen Abends, Pfarrer Gregor Ottersbach, in die Pfarre St. Martinus Kaarst kam, war er zwölf Jahre lang als Militärseelsorger tätig. Er hatte Einsätze im Kosovo, in Mazedonien, Bosnien und zuletzt in Afghanistan. Von seinen Erfahrungen in diesem Land berichtet er in seinem Vortrag.

Zunächst erläuterte er, dass ein Militärpfarrer Mitglied der Bundeswehr ist und als solches Teil des soldatischen Alltags. Man ist untergebracht wie die Soldaten und isst zusam­men mit ihnen im großen Verpflegungszelt. Alarmübungen im Einsatzland gehören genauso zum Alltag wie der Kampf gegen Hitze, Staub, Dreck und Kälte. Er trägt die Felduniform mit Hoheitszeichen, das ihn als Pfarrer auszeichnet, aber keine Waffe. Dafür ist ihm ein Sicherheitssoldat zugeordnet.

Afghanistan gilt als Rückzugsland für Terroristen. Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York entschlossen sich die westlichen Länder für eine militärische Präsenz in diesem Land. Der politische Auftrag lautete, die Terroristen zu verfolgen und vor Ort für Ruhe und Sicherheit zu sorgen.

Die Probleme der Soldaten, die 4 bis 6 Monate in einem solchen Land im Einsatz sind, sind vielfältig. Sie sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sind ständig Gefahren ausgesetzt, müssen sich mit fremden Kulturen auseinandersetzen und müssen sich auch mit dem Sterben befassen. Sie sind von ihren Familien getrennt. Familienfeiern, Krank­heiten, Todesfälle, Eheprobleme, finanzielle Probleme müssen in der Ferne bear­beitet werden. Im Falle des eigenen Todes ist ebenfalls durch Testament und Erban-gelegenheiten Vorsorge zu treffen. Für einen Militärpfarrer ist das ein riesiges Aufgaben-feld. Durch regelmäßige Gottesdienste, Gespräche, Mitgefühl, Versorgung von Verwundeten und bei Todesfällen ist der Militärpfarrer immer gefordert. Dies gilt für alle Soldaten, egal ob oder welcher Religion sie angehören.

Die ungewohnten Lebensumstände in Afghanistan demonstrierte  Pfr. Ottersbach am Beispiel der burkatragenden Frauen. Er bat einen weiblichen Gast, eine Burka über­zu­­ziehen und ihr Gefühl beim Tagen der Burka zu schildern. „Sehr warm, einge­schränktes Sehen und Hören und Probleme, sich verständlich zu machen“ war ihr Kommentar. Derartige Einschränkungen gefährden eine Frau besonders im Straßen­verkehr.

Dieses Beispiel  zeigte anschaulich,  wie unterschiedlich das Leben, besonders für die Frauen, hier in Deutsch­land und im Einsatzland ist.

Pfr. Ottersbach kommentierte auch einige Terroranschläge der Taliban, die er miterlebt hatte.

Sein Fazit: In einigen Landesteilen herrscht Krieg, was einige Politiker nicht wahrhaben wollen, in anderen Gegenden ist es ruhig. In diesem Land gibt es viele ethnische Gruppen mit vielen unterschiedlichen Interessen. Das erschwert die Bildung einer Zentral-regierung. Das Land  ist schön, aber es braucht Hilfe und eine gute  Schulbildung für die Kinder.

Er selbst hat diesen Einsatz nicht bereut, im Gegenteil, er möchte ihn nicht missen. Sein Glaube hat ihm bei der Ausführung seines Amtes sehr geholfen.

Mit einem lang anhaltenden Beifall wurde Herrn Pfarrer Ottersbach für diesen Vortrag, der viele nachdenklich stimmte, gedankt.