Vortrag

Vortrag „Das Stadtarchiv Kaarst – 500 Jahre Stadtgeschichte auf 1,6 km Regalkilometern“.

Der Referent des heutigen Abends, Sven Woelke, hat Neuere Geschichte studiert und ist Diplom-Archivar. Nach Stationen im Parlamentsarchiv des sächsischen Landtags und im Landeshauptarchiv Koblenz war er zuletzt Mitglied des Steuerungsgremiums, das die Zusammenlegung des auf sechs Standorte verteilten Landesarchivs NRW im Duisburger Neubau koordinierte. Dabei mussten 80 km Archivgut aus 1000 Jahren bewegt werden. 2016 übernahm er die Leitung das Kaarster Stadtarchivs.

Nach dem Archivgesetz NRW sind die Kommunen verpflichtet, eigene Archive einzurichten und zu unterhalten. Das Stadtarchiv Kaarst wurde 1978 errichtet und erstmals hauptamtlich besetzt. Es befindet sich im Untergeschoss des Rathauses. Neben seinem Leiter sind dort zwei Mitarbeiterinnen, eine Auszubildende, aber auch ehrenamtliche Kräfte tätig. Auf 1,6 Regalkilometern ist Archivgut aus fünf Jahrhunderten untergebracht.

Zur Archivierung gehören die Bildung, der Erhalt, die Erschließung, die Bereitstellung, die Erforschung und die Vermittlung des Archivguts.
Die Archivierung beginnt mit der Auswahl der archivwürdigen Unterlagen. Dazu gehören Dokumente aus der Politik, z.B. die Ratsprotokolle, und aus der Verwaltung wie Geburts-, Heirats- und Sterberegister. Diese werden durch nicht-amtliche Unterlagen, z.B. von Veranstaltungen der in Kaarst aktiven Vereine, ergänzt.

So zeigt Herr Woelke in seiner PowerPoint-Präsentation das Plakat von unserer Ausstellung im Jahr 2015 „Zur Mitte hin“, die über die Entstehung des Kaarster Stadtzentrums informierte.

Aber nicht nur Dokumente gehören zum Bestand, sondern auch Bilder und Fotografien, Karten und Pläne sowie Filme und Tonaufzeichnungen. Dazu sind auch etwa 80 Nachlässe privater Herkunft ins Archiv gelangt.

Auch eine Verwaltungsbücherei mit regionalgeschichtlichen Büchern und Zeitschriften gehört zum Archiv. Darin befindet sich z.B. unsere Jubiläumsschrift „25 Jahre PROBUS Club Kaarst.“

Damit das Archivgut erhalten bleibt, muss es gegen Verlust und Verfall geschützt werden. Es wird in gesicherten Räumen aufbewahrt, zu denen Besucher und Nutzer des Archivs keinen Zutritt haben. Digitalisierung und Konservierung verhindern, dass das Archivgut Schaden nimmt. Sind wichtige Dokumente beschädigt oder altersbedingt nicht mehr nutzbar, müssen sie ggf. restauriert werden.
Um das Archivgut nutzen zu können, muss es erschlossen werden. Dazu bediente man sich früher sog. Findbücher. Diese werden mehr und mehr durch Datenbanken ersetzt. Dadurch wird die Suche nach den Unterlagen wesentlich erleichtert, Das Zivil- und das
Personenstandsregister sind inzwischen vollständig digitalisiert.
Das Stadtarchiv steht allen Bürgern offen. Die persönliche Einsichtnahme in die Unterlagen ist die Regel. In Zukunft soll die Recherche auch im Archivportal im Internet möglich sein (www.archiv.nrw.de). Das Archiv und sein Leiter bemühen sich aber auch durch Vorträge, Ausstellungen und Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften das Interesse der Bürger zu wecken. Auch auf der Internetseite der Stadt Kaarst (www.Kaarst.de) gibt es Unterlagen zur Stadtgeschichte.

Nach diesem bestens strukturierten und einprägsamen Vortag erhält der Referent lebhaften, lang anhaltenden Beifall. Präsident Heinz Kampermann überreicht ihm zum Dank eine Flasche Wein.

Herr Woelke bekennt in seinen Dankesworten, dass er sich sein Leben ohne das Archiv jetzt nicht mehr vorstellen könne. Er lädt uns alle zu einem Besuch ein, am besten als Gruppe.