Vortrag: Stilllegung der letzten deutschen Atomkraftwerke (Hintergründe, Abschaltung und Risiken)

Stilllegung der letzten deutschen Atomkraftwerke bis Jahresende 2022 Hintergründe, Abschaltung und Risiken

Präsident Heinz Kampermann brauchte den heutigen Referenten nicht vorzustellen, er kommt aus den eigenen Reihen: Clubfreund Hermann Knopf, promovierter Wirtschafts-ingenieur und examinierter Volkswirt.

Zunächst erklärt Hermann, dass er sich in seinem Studium schwerpunktmäßig mit Wärme- und Kraftwerkstechnik sowie Elektrizitäts- und Energiewirtschaft beschäftigt hat. Dann beginnt er seinen Vortrag mit folgenden Vorbemerkungen:

  1. Im Jahr 2020 stammten 50% des CO2-Ausstosses aus China und 1,8% von Deutschland.
  2. Atomstrom ist 3-6mal effizienter als Solar- bzw. Windenergie, weil er immer verfügbar ist.
  3. Frankreich rechnet vor: 50% Atomstrom plus 50% erneuerbare Energien führen zu 30% billigeren Strompreisen gegenüber 100% nur erneuerbare Energien. Wir bauen in Deutschland 17 Kernkraftwerke ab, während Frankreich 59 ertüchtigt und 14 Atomkraftwerke bis 2035 hinzu baut.

Den Vortrag gliedert er in folgende Punkte:                                                                      1. Der Ausstiegsbeschluss aus der Atomstromerzeugung 2011                                        2. Der Klimawandel schreitet schneller fort                                                                      3. Analyse der 3 größten Störfälle in Atomkraftwerken                                                        4. Sicherheitsbetrachtung zu den deutschen AKWs                                                          5. Gegner der Erzeugung von Atomstrom und Behinderung der Forschung                    6. Aufbau eines schlechten Images u.a. durch Fake News                                              7. Auswirkung der Stilllegung von AKWs                                                                          8. Zusammenfassung und Ausblick

 Weiterlesen 

1. Der Ausstiegsbeschluss aus der Atomstromerzeugung 2011                                  76 % der deutschen Bevölkerung stimmten dem Ausstiegsbeschluss von Angela Merkel nach dem AKW-Unglück Fukushima 2011 zu. Man hatte Angst vor der Strahlenenergie und dachte, die AKWs seien zu alt und marode. Dabei dachte man noch nicht in der Folge an den höheren CO2-Ausstoß aus fossil gefeuerten Kraftwerken und den Tempe-raturanstieg auf der Erdoberfläche.

2. Der Klimawandel schreitet schneller fort.                                                                  Die Klimaerwärmung schreitet schneller fort, als ursprünglich vermutet wurde.

3. Analyse der 3 größten Störfälle in Atomkraftwerken                                            Die 3 AKW Unfälle in Harrisburg/USA – Tschernobyl/Russland – Fukushima/Japan beruhen auf Konstruktionsfehlern.                                                                                    In Harrisburg wurde in den 1970er Jahren ein Ventil falsch rum eingebaut. Es gab weder Tote noch Strahlenschäden. Mit Verriegelungstechnik, mit der gefährliche Schaltungen unmöglich gemacht werden, wäre der Unfall nicht eingetreten.                Für Tschernobyl  im Jahr 1986 gilt bzgl. der Verriegelungstechnik das Gleiche.  Eine Respektperson hatte dem Wärter in der Schaltzentrale befohlen, eine streng verbotene Schaltung trotzdem auszuführen. Hier wurde die Kernkraft für Atomsprengköpfe hergestellt. 4.000 Tote (WHO) (Leukämie).                                                                      In Fukushima fehlte eine ausreichend hohe Schutzmauer vor dort jederzeit möglichen Tsunami-Flutwellen. Alle Kühl- und Reservepumpen wurden durch die 23 m hohe Flutwelle unter Wasser gesetzt und fielen aus. 200-600 Tote und 10.000-20.000 Ertrunkene. Diese Zahlen sollte man nicht addieren.

Anmerkung: In Deutschland beträgt die maximale Erdbebenstärke etwa 1% derjenigen von Japan. Tsunami-Flutwellen gibt es in Deutschland nicht.

4. Sicherheitsbetrachtung zu den Deutschen AKWs                                                Die Deutschen AKWs gelten als die sichersten der Welt (mindestens 5 unter den ersten 10 weltweit). Die hohe Sicherheit hängt grundsätzlich nicht von der erreichten Lebens-dauer ab. Das 950 Jahre alte Gewölbe des Kölner Doms und die 150 Jahre alten Türme fallen ja auch nicht aufgrund ihres hohen Alters ein. Die ständige Überprüfung ist allerdings immens teuer. Ausbildungs- und Fortbildungszeit des Betriebspersonals in Deutschen AKWs dauert länger als bei Flugpiloten.

5. Gegner der Erzeugung von Atomstrom und Behinderung der Forschung        Die Partei der Grünen – an ihrer Spitze Jürgen Trittin – haben entscheidend als damalige Protestpartei zum Negativimage der Atomkraftwerke beigetragen. Zudem entließ der damalige Umweltminister die Reaktorsicherheitskommission. Das damals als das weltweit angesehenste Fachgremium wurde durch 30 grüne Freunde von Herrn Trittin ersetzt. Von den Fachleuten benachbarter Länder wurde dieses neue ‚Fach-gremium‘ nicht ernst genommen. Außerdem ver- bzw. behinderte Trittin die Einrichtung von Lehrstühlen für Reaktorsicherheit an Deutschen Technischen Hochschulen.

6. Aufbau eines Negativimages u.a. durch Fake News                                      Unsinnig ist die Behauptung, der ursprünglich vorgesehene Salzstock in Gorleben sei für die Endlagerung des Atommülls ungeeignet. Stattdessen lagern 1900 Castor-Behälter oberirdisch. Würde man sie an geeigneten unterirdischen Lagern sicherer aufbewahren, könnte man sie dort in späteren Jahren nach dem dann neuesten Stand der Forschung wieder aufbereiten.                                                                                  Es gibt auch einen psychologischen Grund für das Negativimage der Atomkraftwerke: Die geistige Bequemlichkeit des Menschen lässt ihn liebend gern im Mainstream der Gleichgesinnten mit schwimmen.

7. Auswirkung der Stilllegung von AKWs                                                              Einmal ist es eine riesige Geldverschwendung.                                                          Atomstrom ist konkurrenzlos billig (3,5 ct/KWh).                                                            Die 6 Deutschen AKWs könnten im Jahr 2022 70.000.000.000 KWh erzeugen.            So könnten jährlich 7.000.000.000 € eingespart werden.                                          Dieses Geld könnte man nutzen für die Folgen der Corona-Pandemie und die zu erwartende Völkerwanderung aus trockenen Klimazonen.                                      Sichere und bereits finanzierte Deutsche Kernkraftwerke abzuschalten, die im Übrigen keinen CO2-Ausstoss fabrizieren, macht keinen Sinn.                                              Restrisiken gibt es in allen Bereichen.

Neben den Atomkraftwerken werden in Deutschland auch noch Braunkohle- und Stein-kohle Kraftwerke abgeschaltet. Stattdessen kaufen wir teuren Atomstrom von 56 Französischen – 7 Belgischen – 6 Tschechischen und 3 Holländischen AKWs. Wir haben jetzt schon die höchsten Strompreise in Europa. Auch der Abtransport von durch Windenergie erzeugten Stroms kommt nicht voran.                                                      Die benötigten Strommengen von 530.000.000.000 KWh sollen sich in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln.

Als Übergangslösung zur CO2-freien Stromerzeugung machen wir uns von Russlands Gaslieferungen abhängig. Bereits jetzt beziehen wir 55% unseres benötigten Erdgases von dort.

8. Zusammenfassung und Ausblick                                                                            Der Entschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie (2010) war damals rein politisch motiviert. Damals konnte man noch nicht absehen, welche Folgen der immer mehr zunehmende CO2-Ausstoss für das Weltklima haben werde.

Die drei 2021 abgeschalteten und die drei 2022 abgeschalteten letzten AKWs könnten den Übergang sichern.

Dazu kommen die abzuschaltenden Kohlekraftwerke…

Hoffentlich haben unsere Nachbarländer für uns noch genügend Strom übrig?

Der Vortrag endet mit der Frage: Wie wollen wir einen möglichen Ausfall von Nordstream 2 verkraften?

Wie zu erwarten war, gab es noch viele Fragen, eine lebhafte Diskussion und schließlich viel Applaus für den hervorragenden Vortrag.                                    Präsident Heinz dankt Hermann dafür, dass sich mit ihm jemand geäußert hat, der mit Sach- und Fachverstand die Argumente der ‚Gegenseite‘ beleuchtet hat.